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Grußwort von Außenminister Heiko Maas anlässlich der Einweihung des neuen Kanzleigebäudes der neuen Botschaft Belgrad

Bundesaußenminister Heiko Maas

Bundesaußenminister Heiko Maas, © Thomas Imo/photothek.net

23.04.2021 - Artikel

Grußwort

des Bundesministers des Auswärtigen

Heiko Maas, MdB

anlässlich der Einweihung des neuen Kanzleigebäudes der Deutschen Botschaft Belgrad

Belgrad, den 23. April 2021

Mittendrin – dieses Wort beschreibt vielleicht am besten dieses wunderschöne neue Botschaftsgebäude.

Es liegt im Herzen Belgrads – nahe seiner so dynamischen, jungen Innenstadt.

Und es liegt in Laufnähe zum Präsidialamt, zum Parlament und zum Sitz der Regierung – und damit auch sehr, sehr nah am Herzen des politischen Lebens Ihres Landes.

Dieser moderne, eindrucksvolle Neubau im Zentrum Belgrads ist außerdem auch ein Symbol – und das ist uns allen sehr wichtig –für die Substanz unserer engen Partnerschaft:

  • Deutschland ist Serbiens größter bilateraler Handelspartner. Deutschlands Unternehmen haben über 2,5 Milliarden Euro in Serbien investiert und dabei über 70.000 Arbeitsplätze geschaffen.
  • Auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist erheblich in Serbien intensiviert worden: Rund 2 Milliarden Euro sind investiert worden.
  • Viele junge Serbinnen und Serben lernen Deutsch an unserem Belgrader Goethe Institut, das vergangenes Jahr sein 50. Jubiläum gefeiert hat. Viele von diesen jungen Menschen studieren danach in unserem Land.
  • Und ganz besonders profitieren unsere Beziehungen von den vielen Menschen, die miteinander leben – wie den 400.000 Serbinnen und Serben in Deutschland, die dort sehr willkommen sind.

All das sind wichtige Verbindungen, die uns gemeinsam in die Zukunft schauen lassen und uns dabei helfen, einen gemeinsamen Blick in diese Zukunft zu gewinnen.

Aber dabei vergessen wir auch nicht den Blick in die Geschichte:

Vor wenigen Tagen, am 6. April, jährte sich zum 80. Mal der Angriff der Luftwaffe des nationalsozialistischen Deutschlands auf Belgrad.

Dieses mörderische Bombardement tötete tausende Menschen und zerstörte Ihre Stadt zu weiten Teilen.

Und es war nur der Auftakt zu vielen weiteren Verbrechen, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg folgten. Nach dem Wüten der Nationalsozialisten war jüdisches Leben in Serbien weitgehend ausgelöscht.

Ich versichere Ihnen: Wir sind uns dieser schweren Verbrechen, die von uns Deutschen auf dem Territorium des heutigen Serbiens begangen wurden, sehr bewusst. Und das wird immer so bleiben. Wir werden das niemals vergessen.

Und es ist meiner Regierung eine besondere Verantwortung, die Erinnerung an all das, was damals hier geschehen ist, zu bewahren und vor allen Dingen der Opfer zu gedenken.

Die Antwort auf diese dunklen Kapitel deutscher und europäischer Geschichte war und ist aus meiner Sicht die europäische Integration.

Sie hat Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg Frieden und Wohlstand gebracht. Noch nie gab es eine so lange andauernde Phase des Friedens in Europa. Wir haben uns davor jahrhundertelang gegenseitig umgebracht. Und das hat endlich ein Ende genommen.

Und ich bin überzeugt, dass europäische Integration auch den Ländern des Westlichen Balkans in ihrem Streben nach Frieden und Wohlstand helfen kann.

Deshalb steht Deutschland auf dem Weg in die Europäische Union an Serbiens Seite.

Und zwar als verlässlicher Partner –  denn für uns gehören die Länder des Westlichen Balkans in die Europäische Union.

Genauso auch als fordernder Partner – denn Schritte Richtung Integration brauchen ambitionierte Reformen und Aussöhnung in der Region. Und ich bin froh, dass wir gestern und heute so konstruktiv darüber gesprochen haben.

Wir werden uns daher weiter dafür einsetzten, dass der Erweiterungsprozess in nächster Zeit neue Dynamik gewinnt.

Für diesen Einsatz steht nicht zuletzt auch so etwas wie dieses neue Gebäude hier – unser neues Botschaftsgebäude. Ich freue mich sehr, unsere neue Kanzlei heute einzuweihen – wenn auch unter Pandemie-Bedingungen. Das ist wirklich traurig, dass solche Veranstaltungen, die oftmals die Möglichkeit bieten, sehr, sehr persönlich und informell zu sprechen, so rar geworden sind. Und ich wünsche mir sehr, dass das in absehbarer Zeit auch wieder ein Ende nimmt und wir uns ganz normal treffen können, sprechen können, feiern können.

Und ich bin sehr sicher, meine sehr verehrten Damen und Herren, dass wir die Pandemie überwinden und dass dieses Gebäude, sehr geehrter Herr Botschafter, ein Ort vieler weiterer guter Begegnungen werden wird.

Eben mittendrin in Belgrad, und mittendrin in den deutsch-serbischen Beziehungen.

Herzlichen Dank!

 

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