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Geringere Kosten, weniger Umweltverschmutzung, mehr Spaß für Kinder und Spaziergänger!

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Dank der Modernisierung des Fernheizsystems, der Einführung des neuen verbrauchsabhängigen Abrechnungssystems und der Umstellung auf Biomasse in vier dezentralen Heizungsanlagen in Schulen wurde die Luftverschmutzung in Pirot um 55 Prozent gesenkt.

Aleksandar Jovanović in seiner Wohnung mit Impulszähler
Aleksandar Jovanović in seiner Wohnung mit Impulszähler© Deutsche Botschaft

Dank der Modernisierung des Fernheizsystems, der Einführung des neuen verbrauchsabhängigen Abrechnungssystems und der Umstellung auf Biomasse in vier dezentralen Heizungsanlagen in Schulen wurde die Luftverschmutzung in Pirot um 55 Prozent gesenkt. Zudem hat der Schulhof der Grundschule „Vuk Karadžić“ einen neuen Sportplatz bekommen.

„Wollen Sie, dass ich als Bürger oder als Schulleiter über die Vorteile der neuen Fernwärmeversorgung in Pirot spreche?“, fragt zu Beginn des Gesprächs Tugomir Cvetković, Direktor der Grundschule „Vuk Karadžić“ in Pirot. Er ist passionierter Spaziergänger, vor allem jedoch ein Direktor, um den sich die Kinder gerne für ein gemeinsames Foto scharen. Die Antwort auf diese Frage, so Cvetković, könne er auf jeden Fall kurz fassen, ganz gleich, ob er als Bürger oder als Schulleiter spreche: Er sei rundum zufrieden!

„Früher war die Luftverschmutzung zu Beginn der Heizsaison in Pirot so arg, dass man aus einer Höhe von 600 bis 700 Metern, oben von der Bergsteigerhütte, die Stadt überhaupt nicht mehr sehen konnte. Sie können sich sicherlich vorstellen, wie es war, in diesem Ruß zu leben und spazieren zu gehen? Jetzt ist alles anders. Für die Schule haben das neue Heizsystem und die verbrauchsabhängige Abrechnung Einsparungen gebracht. Das Geld können wir jetzt für andere Dinge ausgeben, die uns wichtig sind“, erklärt Schulleiter Cvetković und fügt hinzu: „An schulfreien Tagen können wir den Verbrauch nun auf ein Minimum reduzieren und müssen dann auch nur das bezahlen, was wir verbraucht haben. Gleich im ersten Jahr belief sich die Ersparnis durch die reduzierten niedrigeren Heizkosten auf rund zwei Millionen Dinar. Das Geld haben wir zum Großteil für die Gestaltung des Sportplatzes ausgegeben, den Rest für Maler- und Reparaturarbeiten an Fenstern und Türen.“

Die Stadt Pirot befindet sich in Südostserbien und hat etwa 45.000 Einwohner. Sie gehört zu den ersten Städten, die am Fernwärmeförderprogramm teilgenommen haben, das im Namen der Bundesrepublik Deutschland in 22 Städten und Gemeinden in Serbien von der Deutschen Entwicklungsbank (KfW) durchgeführt wird. Das Programm in Pirot beinhaltet den Bau eines neuen Fernheizwerks, die Einführung eines neuen Fernwärmenetzes und den Einbau neuer dezentraler Heizungsanlagen in Wohngebäuden und öffentlichen Institutionen, wie zum Beispiel Schulen.

Tanja Radulović im Fernheizsystemnlage in Pirot
Tanja Radulović im Fernheizsystemanlage in Pirot© Deutsche Botschaft

„Bevor das Projekt anlief, gab es fünf Kesselanlagen im unmittelbaren Stadtzentrum. Entsprechend hoch war die Umweltverschmutzung, die Energieeffizienz gering. Auch waren die Verluste bei der Wärmeerzeugung höher und es waren mehr Mitarbeiter notwendig zur Bedienung des Systems. Zudem waren Kostenkontrolle und die Überwachung des Produktionsprozesses schwieriger“, sagt Tanja Radulović, Koordinatorin für Wirtschaft, Investitionen und Energieeffizienz des Heizwerks in Pirot. Sie arbeitet seit langem und sehr engagiert an diesem erfolgreichen Projekt und ist besonders stolz auf die Tatsache, dass Pirot nicht nur die Fernwärmeversorgung modernisiert, sondern gleichzeitig auch ein neues verbrauchsabhängiges Abrechnungs- und Zahlungssystem eingeführt hat: „Grundvoraussetzung für die Einführung eines Heizkostenabrechnungswesens war die Beschaffung und der Einbau von automatischen Heizanlagen, die wir von der KfW bekommen haben. Im ersten Jahr zahlten bereits 20 Prozent der Verbraucher nach Verbrauch, in dieser Heizsaison sind es bereits 80 Prozent. Unterstützung erhielten wir sowohl von deutschen Experten als auch von Vertretern des serbischen Ministeriums für Bergbau und Energie.“

Bojan Ivković
Bojan Ivković© Deutsche Botschaft

Eine Herausforderung bei der Einführung des Tarifsystems für die Heizkostenabrechnung war der gesetzliche Rahmen, aber auch die Angst der Bürger vor höheren Stromrechnungen. „Nach Änderung der entsprechenden kommunalen Vorschriften haben wir begonnen, die Bürger über die Vorteile dieser Art der Fernwärmenutzung und -abrechnung aufzuklären. Ein gewisses Misstrauen der Bürger besteht bis heute, aber es ist viel geringer, da wir positive Beispiele vorweisen können, die die Vorteile des Tarifsystems untermauern“, sagt Stadtmanager Bojan Ivković, zuständig für den Energiesektor.

Von den Vorteilen, über die Bojan Ivković spricht, konnte sich auch Familie Jovanović überzeugen. Aleksandar Jovanović, seine Frau und seine beiden Kinder leben in einem Gebäude, in dem der Verbrauch anhand von Impulszählern gemessen wird, die sich direkt am Heizkörper befinden. „Während der ersten Heizsaison konnten wir aufs Jahr gerechnet 15 Prozent einsparen. Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr aufgrund der neu eingebauten Fenster noch mehr einsparen, so zwischen 20 und 25 Prozent“, sagt Aleksandar. Unser Gesprächspartner erklärt, zu den Vorteilen des neuen Heizsystems gehöre auch, dass man die Temperatur in der Wohnung selbst bestimmen könne. „Sobald die von uns an den Reglern eingestellte Temperatur erreicht ist, stellen sich die Heizkörper automatisch ab, da der Zähler einen entsprechenden Impuls sendet. Somit sparen wir nicht nur, sondern wir haben auch mehr Komfort, da wir die Wohnung so heizen können, wie wir das möchten“, sagt Aleksandar.

„Die Stadt Pirot hat nun ein modernes Heizwerk, also einen zentralisierten Ausgangspunkt mit moderner Ausrüstung, einem qualitativ hochwertigen und weitverzweigten Verteilersystem, automatischen Heizanlagen und einem verbrauchsabhängigen Abrechnungssystem“, erklärt Stadtmanager Bojan Ivković, der offensichtlich alle Einzelheiten aus dem Energiesektor der Stadt Pirot aus dem „Effeff“ beherrscht. Zum Abschluss fügt er, ganz im Einklang mit dem schon traditionell fortschrittlichen Ansatz der Gemeindeverwaltung Pirot, hinzu: „Um die Geschichte abzurunden, brauchen wir nur eine fortschrittlichere Einspeisung. Wir wollen das jetzt verwendete Heizöl durch Biomasse ersetzen, denn Biomasse ist kostengünstiger, lokal zu beschaffen und zeugt von mehr gesellschaftlicher Verantwortung.“

Die erfolgreiche Umstellung auf Biomasse ist an anderer Stelle in Pirot schon Realität. So wurden z.B. in Schulen, die nicht an das Fernheizungssystem angeschlossen sind, die Heizungssysteme auf Biomasse umgestellt. Das erste Projekt als Public Private Partnership zum Ersatz fossiler Brennstoffe durch Biomasse in den Heizungsanlagen von vier Schulen ist im Herbst 2017 in Betrieb genommen worden.

Auch die Schulleiter dieser weiteren Schulen können auf die geplante Senkung der Luftverschmutzung stolz sein. Dank der Kooperation mit ESCO aus Slowenien ist es jetzt möglich, die Schulen effizienter und umweltfreundlicher zu beheizen und Biomasse aus der Region zu nutzen.

All dies ist Musik in den Ohren der Einwohner von Pirot, insbesondere der Spaziergänger wie Herrn Cvetković vom Beginn unserer Geschichte. Denn der zunehmende Einsatz von Biomasse trägt dazu bei, dass die Luft in der Stadt, in der die Luftverschmutzung seit Einführung des neuen Heizsystems um 55 Prozent gesenkt wurde, noch angenehmer und gesünder werden wird.

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