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Ein Finanzbeamter wie er im Buche steht

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Die serbische Steuerbehörde unternimmt eine Reihe von Maßnahmen, um das Bild in der Öffentlichkeit vom Finanzbeamten als „bad cop“ zu verändern. „Wir sind Partner und Steuern zu bezahlen ist ein gemeinsames Anliegen“, – so der Grundgedanke der neuen Strategie dieser Behörde.

Broschüre
Broschüre© Deutsche Botschaft
Die serbische Steuerbehörde unternimmt eine Reihe von Maßnahmen, um das Bild in der Öffentlichkeit vom Finanzbeamten als „bad cop“ zu verändern. „Wir sind Partner und Steuern zu bezahlen ist ein gemeinsames Anliegen“, – so der Grundgedanke der neuen Strategie dieser Behörde.

„Weiß nicht!“, „Ich glaube, ich zahle alles regelmäßig“, „Soweit ich weiß, zahle ich alles, was ansteht“ – das sind die häufigsten Antworten von Bürgern auf die Frage, ob sie regelmäßig ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen. So lautete auch die Antwort in unserer spontanen Umfrage auf der Straße in Belgrad. Unsere Frage „Zahlen Sie alle Steuern?“ war trickreich formuliert, denn die Betonung lag auf „alle“. Die Antworten bestätigten, dass die Bürger in der Regel ihren gesamten steuerlichen Verpflichtungen nachkommen wollen, oft aber nicht wissen, welche das sind und wie sie zu zahlen sind – was letztlich der Ansatzpunkt der neuen Strategie der serbischen Steuerverwaltung ist.

Unterrichtsstunde zu Steuern in Ivanjica
Unterrichtsstunde zu Steuern in Ivanjica© Deutsche Botschaft

In dem Wunsch, sich in den vertrackten Steuergesetzen und -verfahren zurechtzufinden, hat die Steuerverwaltung 2010 ein Info-Zentrum eingerichtet, an das sich die Steuerzahler telefonisch und per Mail wenden können. Es zeigte sich jedoch in der Praxis, dass diese Dienstleistung vor allem Profis, also Firmenbesitzer, deren Buchhalter, Steuerbüros und Anwälte, in Anspruch genommen haben, mit anderen Worten, all jene, die bereits Vorkenntnisse in diesem Bereich haben. „Aufgrund dessen waren wir der Meinung, dass es notwendig ist, diese Möglichkeit auch Bürgern zur Verfügung zu stellen, die nicht so vertraut sind mit der Steuermaterie, die keinen Computer haben oder nicht so versiert sind in elektronischer Kommunikation. Daher wurde das Projekt ‘Ihr Finanzbeamter‘ ins Leben gerufen. Es sieht die Einrichtung mehrerer Schalter vor, an denen Bürger steuerrelevante Informationen erhalten können, aber auch Unterstützung beim Ausfüllen von Steuerformularen“, so Snežana Veličković, die amtierende stellvertretende Leiterin der Abteilung Bildung, Kommunikation und internationale Zusammenarbeit in der serbischen Steuerverwaltung.Die Einrichtung des Schalters „Ihr Finanzbeamter“ wurde im Zuge des Projektes „Reform der öffentlichen Finanzen in Serbien“ angeregt. Das Projekt in Zusammenarbeit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit der serbischen Steuerverwaltung und finanziert von der deutschen Bundesregierung, sieht auch eine Reihe von weiteren Maßnahmen vor, wie z.B. die Kampagne „Steuern zahlen zahlt sich aus“ und „Kassenbon einstecken“. „Unser Ziel ist es, dass alle Bürger, selbst die jüngsten, verstehen, dass es in ihrem Interesse ist, regelmäßig Steuern zu zahlen. Daher zeigen wir in Fernsehsendungen, auf Youtube, auf Ausstellungen, was beim Steuerzahlen zu beachten ist. Entsprechende Fortbildungen bieten wir auch in Grundschulen an. Die Strategie, die wir verfolgen, beruht auf der Kommunikation mit dem Bürger, um dessen Sichtweise auf die Steuerverwaltung zu verändern. Wir wollen, dass sie diese Institution, die in ihren Augen in erster Linie repressiv war, die sich immer erst dann bei ihnen meldet, wenn sie mit ihren Zahlungsverpflichtungen in Verzug geraten sind, als ihren Partner erleben, der ihnen dabei hilft, im Interesse aller ihren Steuerzahlungsverpflichtungen nachzukommen.“

Der erste Schalter „Ihr Finanzbeamter“ wurde im Juli 2017 eröffnet. Derzeit gibt es in ganz Serbien 20 solcher Schalter. Anfang Januar sollen weitere 17 Schalter geöffnet werden, um somit ganz Serbien abzudecken. Wie notwendig es war, diese Schalter einzurichten, zeigte sich sehr schnell. Innerhalb der ersten vier Wochen trafen über 17.000 Bürgerfragen ein. Nach der Öffnung neuer Schalter stieg die Zahl auf über 40.000 monatlich. Der Service der Schaltermitarbeiter von „Ihr Finanzbeamter“ ist sehr gefragt.

„Die Schaltermitarbeiter von „Ihr Finanzbeamter“ bieten nicht nur Auskünfte, sondern helfen auch beim Ausfüllen der Steuerformulare, insbesondere der elektronischen Formulare, die derzeit 96 Prozent aller Formulare ausmachen. Für viele Bürger ist das eine große Erleichterung“, berichtet Snežana Veličković .

Die „Ihr Finanzbeamter“-Schalter sind so ausgestattet, dass sie für die Bürger leicht zugänglich und erkennbar sind. Zwei speziell ausgebildete Mitarbeiter tragen Krawatten und Tücher mit der Aufschrift „Ihr Finanzbeamter“. Die ausgeprägte Kundenfreundlichkeit zeigt sich auch in der regelmäßigen Veröffentlichung von Informationsbroschüren, deren Themen sich an den von den Bürgern am häufigsten gestellten Fragen orientieren. In diesen übersichtlich gestalteten und detailreichen Anleitungen kann sich jeder zum Thema Steuern informieren, vom frisch angestellten Arbeitnehmer über den Immobilienbesitzer, der vermietet, bis hin zum Unternehmer. „Der beste Beweis für den Bedarf an solchen Broschüren ist doch, dass wir sie ständig nachdrucken müssen, weil sie einfach schnell vergriffen sind“, stellt unsere Gesprächspartnerin zufrieden fest.

Unterrichtsstunde zu Steuern in Belgrad
Unterrichtsstunde zu Steuern in Belgrad© Deutsche Botschaft

Die Ergebnisse des Projektes „Reform der öffentlichen Finanzen in Serbien“ zur Unterstützung der Arbeit der Steuerverwaltung, sowie der öffentlichen Finanzverwaltung insgesamt, sind klar messbar. Bei einer repräsentativen Umfrage mit einigen Hundert Beteiligten durch eine unabhängige Agentur antworteten 42 Prozent auf die Frage „Wie zufrieden sind sie mit den Dienstleistungen der Steuerverwaltung?“ in der ersten Umfragerunde 2014 „Ich bin zufrieden“, während die Zahl der Zufriedenen bei der fünften Umfragerunde im Dezember 2016 auf 54 Prozent angestiegen war.

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