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Schwarmfinanzierung im Netz – eine neue Chance für Unternehmer

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Crowdfunding bedeutet, über spezielle Internetplattformen von einer Vielzahl von Unterstützern kleinere Geldbeträge für mannigfaltige Projekte einzuwerben. Es bietet eine völlig neue Chance für die Entwicklung und Umsetzung von Geschäftsideen und gemeinnützigen Initiativen.

Crowdfunding bedeutet, über spezielle Internetplattformen von einer Vielzahl von Unterstützern kleinere Geldbeträge für mannigfaltige Projekte einzuwerben. Es bietet eine völlig neue Chance für die Entwicklung und Umsetzung von Geschäftsideen und gemeinnützigen Initiativen. Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstützt im Rahmen der Deutsch-Serbischen Initiative für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung diese weltweit immer beliebtere Form der Finanzierung.

Crowdfunding
Crowdfunding© Deutsche Botschaft

Als erstes Beispiel für Mittelakquise nach dem Prinzip des Crowdfunding gilt der Beitrag von 120.000 Amerikanern für den Bau des Sockels der Freiheitsstatue in New York 1885. Crowdfunding, wie wir es heute kennen, entstand, begünstigt durch die Entwicklung des Internets, ein Jahrhundert später. Die erste Online-Crowdfunding-Kampagne wurde 1997 durchgeführt für die Finanzierung der Amerika-Tour der Rockband Marillion. Dabei kamen 60.000 Dollar zusammen. Seitdem gibt es zahlreiche Online-Portale für diese Art der Gruppenfinanzierung. Nach Schätzungen des Cambridge Centre for Alternative Finance sind auf diese Art und Weise bis 2015 mehr als 34 Milliarden Dollar für verschiedene Projekte weltweit gesammelt worden, während der Crowdfunding-Markt bis zum Jahr 2020 nach Prognosen der Weltbank 96 Milliarden US-Dollar wert sein wird.

Diese alternative Form der Mittelbeschaffung wird immer stärker auch in Serbien genutzt, so wie in der gesamten Westbalkanregion. Aber das Potenzial wird noch lange nicht ausgeschöpft: Einer Studie zufolge, die das gemeinnützige Unternehmen „Brodoto“ unter dem Titel „Crowdfunding in Serbien“ erstellt hat, wurden im Zeitraum von 2012 – 2016 in der gesamten Region neun Millionen Dollar für ca. 2.200 verschiedene Kampagnen im Bereich Bildung, Unternehmertum und Kunst eingeworben. Allerdings: 80 Prozent der eingeworbenen Mittel entfallen auf Slowenien - in den übrigen fünf Ländern der Region, zu denen auch Serbien zählt, verläuft die Entwicklung also zögerlicher.

Genau aus diesem Anlass hat die Deutsch-Serbische Initiative für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigungim Juni 2017 eine eintägige Crowdfunding Convention in Belgrad veranstaltet, an der 200 Teilnehmer aus Serbien, Deutschland, Kroatien und Slowenien teilnahmen. Die Teilnehmer machten deutlich, dass hoher Bedarf an weiteren Informationen und Fortbildungsprogrammen besteht. So folgte unmittelbar im Anschluss die Ausschreibung einer Belgrader Crowdfunding Academy. 15 Teams konnten bei dem viertägigen Seminar mitmachen – beworben hatten sich 80! Im Laufe des Seminars erfuhren die Teilnehmer mehr über alle Phasen der Planung und Umsetzung einer erfolgreichen Crowdfunding Kampagne, die vor der Mitteleinwerbung gestartet werden muss. Zwei Teams von der Akademie haben dann auch eine Kampagne gestartet und erfolgreich umgesetzt – „DELI co-working space“ aus Niš und das Team der Konditorei „SuperBake“ (SuperOmas).

Crowdfunding
Crowdfunding© Deutsche Botschaft

„Unsere Präsentation fand die Jury der Crowdfunding Akademie überzeugend, aber ohne diese Fortbildung hätten wir es nie geschafft, auf diese Art Geld einzuwerben“, sagt Nenad Stojanović, Projektdirektor im „DELI co-working space für kreatives Arbeiten“. DELI gibt es seit zwei Jahren. Der HUB bietet verschiedene Möglichkeiten für kreatives Arbeiten, Praktika und Fortbildungen für eine Vielzahl von Schülern und Studenten in der Stadt Niš. Die an der Akademie begonnene und weiter ausgearbeitete Kampagnenidee von DELI konkretisierte sich in der zweiten Novemberhälfte zu einer echten Crowdfundingkampagne, um den Kauf des ersten 3D-Druckers in der Region in Serbien zu finanzieren. 5.000 Dollar waren angestrebt, genau 5.302 Dollar wurden am Ende von 155 Unterstützern über das Indiegogo-Portal gesammelthttps://www.indiegogo.com/projects/deli-supercool-stampac-novi-3d-stanar/x/17502436#/ „Außerordentlich wichtig für eine erfolgreiche Mitteleinwerbung ist es, einerseits eine gute Kampagne zu machen. Das haben wir an der Crowdfunding Akademie gelernt. Andererseits wird soziales Kapital benötigt und DELI hat es, denn wir haben dies in der Vergangenheit schon beweisen können mit dem, was wir täglich umsetzen“, erklärt Nenad. Das erfolgreiche Finale der Kampagne, so unser Gesprächspartner, wurde angespornt durch die Ankündigung, am Ende eine Party zu veranstalten und die Spender mit symbolischen Geschenken auszuzeichnen, absolut coolen T-Shirts und Tassen und Ansteckern aus einer DELI-Sonderedition. Crowdfunding auf der Basis von Belohnungen ist die bekannteste Form der Alternativfinanzierung. Zwei der weitverbreitetsten Crowdfunding-Portale funktionieren nach diesem Prinzip - kickstarter und indiegogo. Die Belohnung für die Unterstützer bei der Kampagne von „SuperBake“ ist ebenso eher symbolisch. Die Konditorei möchte alte Rezepte vor dem Vergessen bewahren, und dazu jung gebliebene ältere Damen einbeziehen. Daher bekommen Unterstützer ein Kuchenpaket nach Großmutters Rezept, was für viele sowohl wegen des Geschmacks als auch wegen des Duftes, aber natürlich auch wegen des emotionalen Inhalts, den es mit sich bringt, attraktiv ist.

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Crowdfunding© Deutsche Botschaft

„Mir war es immer wichtig, dass mein Tun für ein größeres Umfeld von Bedeutung ist. Frauen in Serbien sind schon mit gerade mal 50 Jahren in einer recht undankbaren Lage, wenn sie ihren Job verlieren. „SuperBake“ ist eine Konditorei, in der fünf Frauen im Alter von 60 bis 70 Jahren in Teilzeit nach eigener Zeiteinteilung arbeiten werden. Zu deren und unserem Glück backen sie Kuchen nach alten, erprobten Rezepten aus Großmutters Küche“, erläutert Mario Milaković, ein Designer mit einem Masterabschluss in Kulturwissenschaften, der längere Zeit in Japan, Amerika und Indonesien gelebt hat. Seine bisherige Erfahrung als Unternehmer umfasst ein Herbergsmuseum namens „Jugodom“, das neben einer Unterkunft auch Reisen durch die Ästhetik des ehemaligen sozialistischen Jugoslawien anbietet.

Praktische Erfahrungen mit Crowdfunding hatte Mario, so sagt er, erst, als er bei der Belgrader Crowdfunding Convention dabei war und später an der Crowdfunding Akademie teilnahm: „Dort habe ich alles gelernt, was ich heute über diese Form der Mitteleinwerbung weiß, vor allem, weil für die Umsetzung der Akademie ein ausgesprochen kompetentes Team aus Brodoto eingebunden war, das uns auch nach Abschluss der Akademie immer wieder half.“

Während wir mit Mario sprechen, geht die Informationskampagne der Konditorei „SuperBake“ in die Endrunde https://www.indiegogo.com/projects/super-bake-cake-shop-by-senior-ladies-community/x/17809616#/backers die Mitteleinwerbung über das Portal indiegogo ist in vollem Gange. Siebentausend Dollar werden ausreichen, um die Idee eines Caterings umzusetzen. „Ich glaube an soziales Unternehmertum, doch so interessant die Idee auch sein mag, das Ziel ist nicht, ständig von außen unterstützt zu werden, sondern neben der Konkurrenz auf dem Markt zu bestehen und seinen Platz zu behaupten“, resümiert Mario. Die Deutsch-Serbische Initiative für nachhaltige Entwicklung und Beschäftigungplant, die Entwicklung von Crowdfunding in Serbien weiter zu unterstützen, insbesondere in Zusammenarbeit mit Partnern, mit denen sie bereits gute Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht hat. Aufgrund des großen Interesses wird die zweite Belgrader Crowdfunding Convention 2018 rechtzeitig vorab angekündigt. Interessenten können im Netz unter www.crowdfunding.rs mehr erfahren zu Crowdfunding in Serbien und der Welt.

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